Ganz liebe Kollegen beschäftigen sich mit einem meiner Lieblingsthemen:
Wie kann ich als Tierbesitzer einen Tierarztbesuch, medizinische oder pflegende Maßnahmen zuhause streßfrei für meinen Vierbeiner gestalten?
Lupologic gibt tolle Tips:
Übungen rund um den Tierarztbesuch
Lieber Hundehalter,
die hier beschriebenen Übungen dienen dazu Ihnen und Ihrem Hund im Pflege- oder Krankheitsfall das Leben zu erleichtern.
Es lohnt sich daher, sämtliche Übungen mitdem Hund schrittweise zu erarbeiten, idealerweise als reine Prophylaxe-Maßnahme, das
heißt während sich der Hund bester Gesundheit erfreut!
Übung SITZ
Lernschritt 1:
Führen Sie ein schmackhaftes Lock-Leckerchen so über die Nase Ihres
Hundes, dass dieser nach oben schaut. Halten Sie das Leckerchen dort fest und warten
Sie, bis sich Ihr Hund hinsetzt. Sollte er springen, halten Sie das Leckerchen etwas
tiefer. Geben Sie ihm das Leckerchen als Belohnung in diesem Lernschritt, sobald Ihr
Hund mit seinem Po den Boden berührt.
Achtung: Führen Sie das Sprachsignal „SITZ“ erst ein, wenn der Hund stets prompt der
Lockbewegung folgt! Benutzen Sie das Wortsignal stets nur einmal und zwar bevor Sie
die Lockbewegung starten.
Belohnen Sie die Leistung Ihres Hundes in dieser Lernphase immer!
Lernschritt 2:
Verlangen Sie SITZ.
Achten Sie nun bei der Belohnung strikt darauf, dass
Ihr Hund in dem Moment der Belohnung auch wirklich sitzt!
Steht er auf, zappelt, springt oder angelt er mit den Pfoten nach der Belohnung, wird ihm diese verweigert
und kommentarlos gewartet, bis er wieder die SITZ-Position einnimmt. Erst dann wird
ein zweiter Belohnungsversuch unternommen.
Üben Sie dies in unter-schiedlichen Umgebungen (drinnen und draußen) und unter steigender Ablenkung.
Setzen Sie in schwierigen Situationen (bei hoher Ablenkung) für gute Leistung besonders wertvolle
Belohnungen ein!
Beenden Sie die Übung stets mit einem speziellen „Übungs-Auflösungs-Wort“ (z.B. FERTIG).
Lernschritt 3:
Ihr Hund befolgt nun bereits umgehend das Kommando und hält
körperliche Ruhe im Moment der Belohnung. Dehnen Sie nun schrittweise die Zeit aus,
die er sitzen bleiben soll, bevor er belohnt und die Übung danach mit dem „Übungs-
Auflösungs-Wort“ beendet wird.
Achtung: Natürlich kann es im Training auch einmal vorkommen, dass der Hund
unkonzentriert ist und die Übung ohne Ihre Erlaubnis vor der angestrebten Zeit
abbricht und aufsteht. Halten Sie ihn in diesem Fall umgehend fest, so dass er nicht
„entkommen“ kann und wiederholen Sie die Übung. Auf diese Weise vermitteln Sie
Ihrem Hund, dass er persönliche Erfolge erzielen kann, wenn er Ihren Anweisungen
folgt und dass es unerfolgreich ist, sich Ihren Anweisungen zu widersetzen.
Für den Aufenthalt im Wartezimmer, empfiehlt es sich für die SITZ-Position mit dem
Hund, sofern er nicht zu groß dafür ist, eine spezielle Abwandlung zu trainieren, bei der
er sehr gut geschützt und leicht zu kontrollieren ist:
Lernschritt 4:
Setzen Sie sich vorne auf die Stuhlkante und locken Sie Ihren Hund mit
einem Leckerchen recht oder links von außen nach innen um eines Ihrer Beine herum.
Halten Sie ihm dann das Leckerchen von vorne so vor die Nase, dass er mit seinem
Kopf zwischen Ihren Beinen nach oben schaut.
Verlangen Sie nun SITZ und belohnen Sie ihn umgehend, wenn er die Position eingenommen hat.
Dehnen Sie nach und nach die Zeitdauer aus, die der Hund in dieser Position (Sie umrahmen den sitzenden Hund
ihn mit Ihren Beinen) verharren soll.
Die Gewichtskontrolle
Die Anforderung für den Patientenbonus erscheint sehr einfach, denn der Hund muss
nichts weiter tun, als die Waage zu betreten. Dennoch fürchten und sträuben sich
einige Hunde davor.
Um Ihren Hund ohne Zwangsmaßnahmen auf die Waage führen zu können gibt es
zwei einfache Wege, die auch schon bei einem Trainingsanfänger leicht umsetzbar
sind.
Variante 1)
Sie locken Sie Ihren Hund mit einem Futterstückchen und belohnen ihn
anfangs oder wenn er scheu ist durchgehend (z.B. mit Paste, die er von einer Tube
ablecken darf) oder später, wenn er mit allen vier Pfoten die Waage berührt.
Variante 2)
Sie bringen Ihrem Hund bei, dass er stets umgehend ein Leckerchen erhält,
wenn er mit seiner Nase Ihren Zeigefinger anstupst. Wenn er diese „Grundübung“
verstanden hat und freudig umsetzt, können Sie Bewegungen mit einführen.
Belohnen Sie Ihren Hund anfangs schon nach wenigen Zentimetern, die er sich bewegt, um
Ihren Finger zu erreichen, später nach mehreren Schritten. Ihr Hund ist nun über Ihren
Fingerzeig leicht anzuleiten, sich in eine bestimmte Richtung zu bewegen.
Trainingstipp,
wenn die Waage an einer Wand oder in einer Ecke steht:
Lassen Sie den Hund so auf die Waage gehen, dass er in den Raum gucken kann. Kein Hund
läuft oder steht gerne in einer Ecke.
Maulkorbtraining
In der tierärztlichen Praxis gibt es viele Gründe, einen Hund mit einem Maulkorb zu
sichern. Jeder Hund, der dies schon im Training als Übung kennen gelernt hat,
akzeptiert dies ganz ohne Stress – eine große Hilfe für alle Beteiligten. Viele der Hunde
freuen sich sogar auf den Maulkorb, da sie im Training erfahren haben, dass sie mit
Belohnungen rechnen können.
Setzen Sie im Training einen leichten Gitter-Maulkorb ein.
Achtung:
Bei gierigen oder bissigen Hunden muss auch während des Trainings sehr
darauf geachtet werden, dass niemals die Finger zwischen die Stäbe zu halten. Gitter-
Maulkörbe bieten den Hunden immer auch Bewegungsspielraum mit den Kiefern, da
sie so konzipiert sind, dass der Hund ungehindert hecheln kann.
Lernschritt 1:
Legen Sie eine kleine Menge attraktiven Futters in den Maulkorb und
lassen Sie den Hund diese Leckerei aus dem Maulkorb fressen. Wiederholen Sie diese
Übung ein paar Mal, bis der Hund seine Schnauze in Erwartung des leckeren Futters
freiwillig in den ihm offen hingehaltenen Maulkorb steckt.
Lernschritt 2:
Wiederholen Sie diese Übung und stecken Sie nun während Ihr Hund
noch frisst von außen (nah an der Nasenplatte zwischen der untersten und der zweit
untersten seitlichen Gitterstange) weiteres Futter durch die Gitterstäbe. Im Handel
erhältliche lange flache Leckerchen sind hierzu besonders gut geeignet.
Lernschritt 3:
Wenn der Hund mit dieser Übung gut vertraut ist, geht es darum,
Bewegungen zu üben.
Halten Sie den Maulkorb wie gewohnt offen und für Ihren Hund
gut zugänglich hin (in für den Hund bequem zu erreichender „Kopfhöhe“, Tendenz eher
nach oben gerichtet) und warten Sie, bis Ihr Hund seine Schnauze in dem Maulkorb
steckt.
Stecken Sie ihm dann von außen wie bereits in Schritt 2 geübt Leckerchen zu.
Wiederholen Sie dies, während Sie sich nun ganz langsam rückwärts bewegen. Ziel ist,
dass der Hund eigenständig mit der Schnauze in den Maulkorb drängt, da er nur dort
belohnt wird. Dehnen Sie die Zeit aus, die der Hund seine Schnauze im Maulkorb hat
und dafür belohnt wird. Variieren Sie, den zeitlichen Abstand zwischen den einzelnen
Leckerchen in unregelmäßiger Art zwischen einer und ca. 20 Sekunden. Achten Sie
darauf, dass das Training so einfach konzipiert ist, dass Ihr Hund keinen Fehler
macht/übt (etwa mit der Pfote an den Maulkorb zu gehen, um diesen zu entfernen,
den Kopf zu schütteln oder seine Schnauze aus dem Maulkorb zu entziehen).
Lernschritt 4:
Üben Sie nach Absolvierung einer einfachen Wiederholungsübung vom
Schritt 3 nun das Festschnallen. Loben und belohnen Sie den Hund direkt danach. Und
öffnen Sie anfangs die Schnalle umgehend wieder. Widerholen Sie diese Übung
mehrfach, bis Ihr Hund gut mit den Manipulationen an der Verschlussschnalle vertraut
ist.
Lernschritt 5:
Wiederholen Sie zunächst Schritt 4 und lassen Sie Ihren Hund nach dem
Festschnallen eine leichte Übung (z.B. SITZ) machen, um seine Konzentration zu
binden.
Nehmen Sie Ihrem Hund den Maulkorb schon nach kurzer Zeit (anfangs 5-10
Sekunden) wieder ab.
Wiederholen Sie diese Übung nun mehrmals täglich.
Variieren Sie Ihre Handhaltung. Solange Ihre Hand den Maulkorb noch unterstützt, ist
die Übung einfacher. Ziel ist es jedoch, dass der Hund den Maulkorb „eigenständig“
trägt.
Achten Sie vor einem „sportlichen Ehrgeiz“ primär auf ein geeignetes Be-
lohnungsschema und die strikte Vermeidung von Trainingsfehlern!
Lernschritt 6:
Wenn Ihr Hund schon gut an die vorige Übung gewöhnt ist, können
mehr Zeit- und Aktivitätsvariablen hinzu gefügt werden. Führen Sie Ihren Hund ein
paar Schritte und verlangen Sie Übungen, die er sehr gut beherrscht und gerne
ausführt. Belohnen Sie ihn Ihren Hund weiterhin während er den Maulkorb trägt durch
die Gitterstäbe hindurch. Steigern Sie nun langsam die Zeitabstände, bis Sie den
Maulkorb wieder abnehmen.
Halskragentraining
Wenn Ihr Hund einmal eine Wunde hat oder einen Verband tragen muss, kann es sein,
dass als Leckschutz ein Halskragen verwendet werden muss. Gewöhnen Sie Ihren
Hund daher spielerisch im Rahmen einer Prophylaxe-Übung schon im Vorfeld an das
Tragen eines Halskragens, denn im gesunden Zustand lernt es sich leichter!
Bedenken Sie, wie groß die Erleichterung für Ihren Hund im Falle eines echten
Halskrageneinsatzes ist, wenn er ihn nicht erst dann als zusätzlichen Stressfaktore im
Rahmen einer Krankheitsphase kennen lernt.
Das Tragen des Kragens ist für Hunde zunächst aus zwei Gründen unheimlich. Erstens,
weil er ihr Blickfeld einschränkt und zum anderen, weil sie mit dem weiten Kragenrand
plötzlich an Möbelstücken oder Türrahmen anstoßen, an denen sie vorher ohne
Probleme vorbeihuschen konnten.
Die Übungen sollten deshalb stets in so kleinen Schritten aufgebaut werden, dass im
gesamten Übungsverlauf nie Ängste auftreten.
Lernschritt 1:
Halten Sie Ihrem Hund den Kragen etwa auf Brusthöhe wie ein Tablett
mit leicht nach oben stehenden Rändern vor den Körper und füttern Sie ihn über den
Kragen hinweg, indem Sie ihm die Leckerchen mit der Hand zustecken.
Tipp:
Einige Hunde, speziell solche, die nicht scheu sind, lassen sich auch mit
schmackhaftem Futter durch den bereits geschlossenen Halskragen locken. Auch das
ist als erster Lernschritt ok. Achten Sie in diesem Fall zunächst nur drauf, den Hund
nicht mit dem Halskragen direkt loslaufen zu lassen. Am einfachsten gelingt dies, wenn
Sie zunächst den Kragenrand nicht loslassen, denn so behalten Sie die volle Kontrolle.
Weiter geht es in diesem Fall mit dem Lernschritt 4.
Lernschritt 2:
Der nächste Übungsschritt ist besonders einfach, wenn Sie eine
Hilfsperson haben. Lassen Sie die Hilfsperson Ihre Rolle übernehmen, so dass der
Hund über den Kragen hinweg mit Leckerchen versorgt wird, während Sie die beiden
Enden des Kragens umfassen und ihn ganz langsam zu einem Kreis um den Hals des
Hundes formen, aber zunächst ohne ihn zu eng zu fassen oder ihn gar zu schließen!
Ist Ihr Hund etwas schüchtern, sollten Sie sich bei dieser Übung viel Zeit lassen und über
mehrere Tage verteilt den Kragen jedesmal ein ganz klein wenig enger werden lassen.
Lernschritt 3:
Wenn Sie den Kragen, ohne dass Ihr Hund in Stress gerät, hinter den
Ohren mit der Hand zu halten können, ist der Moment gekommen, ihn wirklich einmal
kurz zu schließen.
Ihr Hund sollte für seine Duldsamkeit wiederum Leckerchen
bekommen. Nehmen Sie dem Hund den Kragen am Anfang möglichst bald (nach ein
paar Sekunden) wieder ab. In den nächsten Tagen können Sie dann in kleinen
Schritten die Zeit ausdehnen.
Lernschritt 4:
Sobald Ihr Hund den Kragen problemlos angelegt bekommen kann, ist es
an der Zeit mit dem Hund zu üben, wie es ist, sich mit dem Kragen zu bewegen.
Locken Sie ihn hierfür mit Leckerchen zunächst so durch den Raum, dass er nirgendwo
anstößt. Lenken Sie ihn gut ab und belohnen Sie ihn während der Bewegungen häufig,
damit ihm die Übung Spaß macht und er „vergisst“, dass er einen Kragen trägt.
Lernschritt 5:
Wenn auch dies gut gelingt, sollten Sie im nächsten Schritt dem Hund
vermitteln, dass es nicht schlimm ist, mit dem Kragen auch einmal z.B. an einem
Tischbein oder an einen Türstock anzustoßen. Führen Sie den Hund hierzu
langsam an eine solche Barriere heran und lassen Sie ihn zunächst seitlich mit dem Kragen
anstoßen und später mit dem vorderen Kragenrand.
Lernschritt 6:
Lassen Sie den Hund dann auch kurze Zeit den Kragen tragen ohne irgendeine spezielle Übung zu machen. Belohnen Sie ihn zwischendurch immer wieder einmal, wenn er ganz entspannt ist.
Auf dem Behandlungstisch
Gewöhnen Sie Ihren Hund an verschiedene Abläufe, mit denen er in der Tierarztpraxis
erfahrungsgemäß bei Untersuchungen konfrontiert werden wird.
Ein wichtiges Detail dieser Übungen für Zuhause ist, sie auf einem Tisch oder Sockel
umzusetzen, denn dann entspricht das Übungsbild noch ein wenig mehr der realen
Situation.
Im Sinne der Stressreduktion ist dies die ideale Vorbereitung.
Heben Sie Ihren Hund also zunächst auf seinen „Übungsplatz“.
Übung SITZ
Lernschritte siehe Beschreibung oben.
Übung PLATZ
Lernschritt 1:
Lassen Sie Ihren Hund an einem Lock-Leckerchen schnüffeln und führen
Sie dieses dann in Richtung Tischplatte und halten es dort mit der flachen Hand
bedeckt. Warten Sie geduldig, bis sich Ihr Hund beim Versuch an das Leckerchen zu
gelangen von selbst hinlegt und geben Sie ihm dann das Leckerchen sofort als
Belohnung frei.
Achtung: Führen Sie das Sprachsignal erst ein, wenn der Hund stets prompt Ihrer
Lockbewegung folgt, benutzen Sie das Wortsignal stets nur einmal und zwar bevor Sie
mit der Lockbewegung starten. Belohnen Sie die Leistung des Hundes in dieser Lernphase
immer!
Lernschritt 2:
Bauen Sie schrittweise die Hilfestellung in der PLATZ-Übung ab:
Belohnen Sie den Hund hierzu beispielsweise nicht mehr mit dem Lockmittel sondern
mit einem anderen (leckereren) Häppchen. Lassen Sie das Lockmittel in der Übung
danach ganz weg.
Setzen Sie die flache Hand ruhig weiterhin als Sichtzeichen ein.
Lassen Sie dieselben strengen Regeln in Punkto der Belohnungsgenauigkeit und dem
Übungsende (auflösen der Übung) walten, wie sie Ihnen schon aus der SITZ-Übungvertraut sind.
Maulkontrolle
Öffnen Sie mit einer Hand von unten die Schnauze Ihres Hundes, indem Sie einen
Finger in den zahnlosen Spalt hinter dem Fangzahn schieben. Legen Sie mit Ihrer
anderen Hand nun ein kleines Leckerchen auf der Zunge Ihres Hundes ab.
Auf diese Weise vermitteln Sie Ihrem Hund, dass Ihre Hände an seiner Schnauze Gutes
verheißen.
Halten Sie die Schnauze auch einen kurzen Moment fest in Ihrer Hand und
stecken Sie ihm danach ein Leckerchen zu. Fahren Sie mit einem Finger über sein
Zahnfleisch und schieben Sie die obere Lefzen hoch bzw. runter, dass Sie die Zähne
angucken können. Belohnen Sie Ihren Hund für seine Kooperationsbereitschaft.
Fiebermessen
Benutzen Sie ein digitales Fieberthermometer, das schnell misst, um den Hund nicht
unnötig zu belasten.
Diese Übung gelingt besonders gut, wenn eine zweite, dem Hund gut vertraute Hilfsperson eingebunden werden kann. Diese Person hält dem Hund einen Arm unter den Bauch, so dass er stehen bleiben muss und steckt ihm während
der Prozedur Leckerchen zu.
Sie selbst bringen zunächst einen kleine Menge Creme auf die Thermometerspitze auf.
Achten Sie dann darauf, beim Einführen des Fieberthermometers die Rute des Hundes, sofern sie im Weg ist, nur so wenig wie
möglich nach oben zu halten.
Meist sträuben sich die Tiere noch weniger, wenn die Rute gar nicht angefasst wird, sondern man die Hand, in der man das Thermometer hält, unter die Rute bringt und diese sanft zur Seite verschiebt, um das Thermometer in den After einführen zu können.
Die seitliche Liegeposition
Dem Hund beizubringen, sich auf die Seite zu legen, ist sinnvoll, denn schnell
kann es einmal sein, dass man den Bauch oder die Pfoten kontrollieren muss.
Lernschritt 1:
Lassen Sie Ihren Hund zunächst PLATZ machen und verleiten Sie ihn,
indem Sie ein schmackhaftes Leckerchen vor seiner Schnauze langsam nach rechts
oder links ziehen, mit der Hüfte in eine bequeme Liegeposition zu kippen.
Ziehen Sie nun das Leckerchen erst seitlich entlang der Brustwand des Hundes bis ca. dem
Rippenende und anschließend in einer diagonalen Linie über den Kopf des Hundes
bis neben seiner der Startseite gegenüberliegenden Vorderpfote auf Boden.
Achten Sie darauf, diese Bewegung so langsam zu machen, dass der Hund die Nase die
ganze Zeit über am Leckerchen behalten kann.
Folgt der Hund der Lockbewegung, muss er zwangsläufig umfallen, denn er kann
sich nicht weiter verrenken, wenn das Leckerchen zunächst nach hinten, in
Richtung Rücken (entlang der Brustwand/des Rippenbogens) und dann nach vorne
gezogen wird.
Wenn der Hund Mühe hat, während des Lockens bei der Sache zu bleiben empfiehlt es sich hier als Lockmittel eine Paste aus der Tube einzusetzen, so dass der Hund die ganze Zeit über Futter aufnehmen kann.
Achtung:
Belegen Sie beide Positionen (auf der rechten oder linken Seite zu liegen)
mit unterschiedlichen Kommandos und üben Sie beide Bewegungsabläufe getrennt
voneinander, um den Hund nicht zu verwirren.
Anfassen und Festhalten
Hunde haben sehr individuelle Vorstellungen davon, ob und wann sie Berührungen
dulden, ablehnen oder als angenehm empfinden. Es gibt Vierbeiner, die sehr
körperbezogen sind und generell gerne angefasst werden. Die überwiegende Anzahl
von Hunden empfindet körperliche Berührungen jedoch nur im privaten Kontext als
angenehm und verknüpft sie in anderen Situationen schnell als Bedrohung und somit
Angstreiz.
Um möglichen Problemen vorzubeugen, ist es sinnvoll, mit dem Hund schon im Vorfeld
eine geduldige Art der Beantwortung solcher Reize zu üben, denn für viele
Untersuchungen oder Behandlungen ist es erforderlich, das Tier anzufassen und ggf.
auch zu fixieren.
In dieser Übung soll anders als es beim reinen „Erdulden“ einer Berührung eine positive
Verknüpfung in Bezug auf die Berührungen und Fixierungsmaßnahmen geübt werden.
Es lohnt sich daher also wirklich die unten aufgeführten Wiederholungen der Übung
umzusetzen, denn auf diese Weise erarbeitet man sich einen stabilen Gedulds-Puffer
auf der Hundeseite.
Lernschritt 1:
Fassen Sie Ihrem Hund einmal von unten an die Schnauze und stecken Sie
ihm direkt danach ein kleines Leckerchen zu. (Diese Übung kennt Ihr Hund ggf. schon
aus dem Kontext der Maulkontrolle.)
Dies wird mindestens zehn Mal hintereinander wiederholt.
Danach wird eine kleine Umstellung der Übung vorgenommen: Wiederum
fassen Sie Ihrem Hund von unten an seine Schnauze, diesmal jedoch halten Sie Ihre
Hand dort in jedem Trainingsdurchgang ein bis zwei Sekunden länger an seinem
Körper, bevor er von Ihnen das Futterstückchen bekommt.
Auch diese Übung sollte mindestens zehn Mal hintereinander (d.h. mit langsam steigender Zeitdauer in den
einzelnen Durchgängen) wiederholt werden.
Lernschritt 2:
Von der Grundübung der Schnauzenberührung ausgehend, werden nun
andere Körperregionen angesteuert.
Das bedeutet, die Übung startet stets mit der Schnauzenberührung, für die der Hund ein Leckerchen erhält, um ihn auf die Übung
einzustimmen.
Danach lassen Sie in den einzelnen Übungen Ihre Hände schrittweise über den ganzen Hundekörper wandern. Achten Sie darauf, dass Sie speziell für die Körperregionen Kopf, Bauch, Rücken, Pfoten (alle vier Pfoten einzeln) und Rute jeweils
wie im Lernschritt 1 aufgeführt die beiden Verknüpfungsblocks (Berühren und Halten) mit jeweils zehn Wiederholungen durchführen.
Lernschritt 3:
Ihr Hund lässt sich nun am ganzen Körper bereitwillig anfassen und empfindet die Berührung durch die Verknüpfung mit den Leckerchen als etwas Positives.
Fixieren im Stand
Vermitteln Sie ihm nun, dass für ihn auch beim Sillhalten während eines kurzzeitigen
Fixierens ein Leckerchen herausspringt.
Umfassen Sie beim Fixieren im Stand den Körper des Hundes mit Ihren Armen und drücken Sie ihn für zunächst nur eine
Sekunde sanft an Ihren Körper.
Geben Sie Ihrem Hund sofort danach sein „Verknüpfungsleckerchen“.
Wiederholen Sie dies wiederum mindestens zehn Mal und beginnen Sie dann, die Zeitdauer im Verlauf der nächsten Trainingsdurchgänge schrittweise auf bis zu 20 Sekunden zu steigern.
Je mehr Wiederholungen Sie hierbei pro zeitlicher Schwierigkeitsstufe machen, desto angenehmer erscheint Ihrem Hund am
Schluss das Gesamtprozedere. Eile und eine Hau-Ruck-Einstellung ist hingegen kontraproduktiv.
Fixieren in der seitlichen Liegeposition
Lassen Sie Ihren Hund die bereits unter „Die seitliche Liegeposition“ beschriebene
Übung ausführen und belohnen Sie ihn, wenn er liegen bleibt.
Begeben Sie sich zu
seinem Rücken (am einfachsten ist es, Sie knien sich dort hin). Greifen Sie nun mit
Ihren beiden Händen über den Körper Ihres Hundes hinweg und umfassen Sie jeweils
die unteren Gliedmassen Ihres Hundes mit einer Hand.
Ideal ist es, das Vorderbein nah am Ellenbogen und das Hinterbein kurz unterhalb des Knies zu fassen. Halten Sie mit
sanftem Druck die Gliedmaßen Ihres Hundes für zunächst nur eine Sekunde auf den Boden gedrückt und geben Sie ihm danach sein Verknüpfungsleckerchen.
Dehnen Sie dann wie beim „Fixieren im Stand“ aufgeführt die Zeitdauer aus. Achten Sie auch hier
auf eine möglichst hohe Wiederholungsrate der einzelnen Übungen, um ein gutes Resultat zu erzielen.
Eingeben von Medikamenten, Akzeptanz von einem Verband
Es ist sinnvoll, den Hund schon im Vorfeld an bestimmte Pflegemaßnahmen zu gewöhnen, so dass er in einem eventuellen Krankheitsfall mit dem Prozedere bereits vertraut ist.
Eingeben von Flüssigkeiten
Bereiten Sie zwei kleinen Schälchen vor, in denen Sie Flüssigkeit mit einer Spritze
(10 ml) aufziehen können. Das eine Schälchen befüllen Sie mit Wasser. Das andere mit
kaltem Fleischsud oder Wasser, in das Sie einen halben Teelöffel Leberwurst eingerührt
haben.
Führen Sie dann die mit Wasser befüllte Spritze in die Schnauze Ihres Hundes ein
(am besten an der Lücke hinter dem Fangzahn) und verabreichen Sie ihm langsam die
10 ml Flüssigkeit. Achten Sie darauf, den Kopf des Hundes in einer natürlichen Position
zu belassen, sofern Sie Ihren Hund hierbei festhalten. Wiederholen Sie die Übung mit
der zweiten „schmackhaften“ Flüssigkeit, denn dies stellt für den Hund eine Belohnung
dar. Wechseln Sie nach und nach die Flüssigkeiten der ersten Spritze (dünner Tee,
verschiedener Geschmacksrichtungen), um den Hund daran zu gewöhnen, dass es
auch einmal „komisch“ schmecken kann. Lassen Sie auf seine „Übungsspritze“ stets die
Belohnungsspritze folgen.
Eingeben von Tabletten
Als Übung für das Verabreichen von Tabletten sind zwei Ansätze besonders geeignet.
Sie benötigen hierfür ein wenig Leberwurst oder eine andere schmackhafte und
streichfähige Nahrung.
Übungs-Variante A)
Formen Sie zwei kleine Leckerchen-Kugeln aus dem von Ihnen
gewählten Nahrungsmittel und stecken Sie in das eine ein Stückchen hartes Brot, ein
Stück Mohrrübe oder irgendetwas anderes, von härterer Struktur. Geben Sie Ihrem
Hund zunächst die bestückte Leckerchen-Kugel und lassen Sie die andere als
Belohnung folgen.
Ziel ist, Ihrem Hund zu vermitteln, dass der Nachgeschmack gut ist,
und dass er das erste in Erwartung des zweiten Stückchens abschluckt ohne es mit der
Zunge auseinander zu nehmen, um die härteren Stückchen auszusortieren, wie es
manche Hunde bei der Vergabe echter Tabletten machen.
Übungs-Variante B)
Nehmen Sie ein Stück Trockenfutter und öffnen Sie den Fang Ihres
Hundes. Legen Sie das Trockenfutterstückchen hinter den Zungengrund, so dass Ihr
Hund es abschlucken muss, ohne zuvor darauf gebissen zu haben. Lassen Sie ein
leckeres Belohnungsleckerchen folgen, das er aus ihrer Hand aufnehmen darf. Diese
Übung ist eine wichtige Übung für alle Hunde, von denen man schon aus der Erfahrung
weiß, dass sie Tabletten üblicherweise wieder ausspucken.
In dieser Übung ist auch ein wenig eigene Fingerfertigkeit gefragt. Je mehr man selbst mit diesen Handgriffen
vertraut ist, desto besser ist die Ausstrahlung für den vielleicht zunächst noch ein wenig scheuen Hund. Die Übung dient also der Stressentlastung auf beiden Seiten.
Eingeben von Augentropfen
Besorgen Sie sich in der Apotheke ein Fläschchen mit künstlicher Tränenflüssigkeit
(ggf. als Einmal-Portionen). Halten Sie das Tropffläschchen in einer Hand zwischen
Zeigefinger und Daumen und setzen Sie die Handkante dieser Hand auf dem Oberkopf
des Hundes ab. Unterstützen Sie das Kinn Ihres Hundes mit der anderen Hand und
kippen Sie seinen Kopf nun leicht nach hinten, so dass das Auge in einer senkrechten
Linie unter dem Tropffläschchen ist. Lassen Sie nun einen Tropfen in das Auge fallen
und belohnen Sie Ihren Hund.
Tipp:
Je mehr Abstand zwischen dem Fläschchen und dem Auge Ihres Hundes liegt,
desto leichter gelingt die Eingabe der Tropfen, denn in diesem Fall hat der Hund keine
Angst vor einem bedrohlichen Objekt direkt vor seinem Auge. Es ist nicht schlimm,
wenn ein Tropfen beispielsweise ins Fell gefallen ist oder in den Wimpern hängen
bleibt. Wiederholen Sie in diesem Fall die Übung.
Achtung:
Vermeiden Sie jede Form von Zugspannung am Ober- oder Unterlid bei allen
Rassen mit hervorstehenden Augen!
Akzeptanz eines Verbandes oder Schutzschuhs
Wickeln Sie die Pfote Ihres Hundes mit einem Verband ein oder ziehen Sie ihm einen
festen Schutzschuh an. Lenken Sie ihn nun in den ersten Trainingsdurchgängen davon
ab, sich mit dem Verband oder Schuh auseinander zu setzen. Er soll sich in dieser
Übung zunächst an das noch ungewohnte Gefühl gewöhnen.
Belohnen Sie ihn anfangs alle paar Schritte oder fesseln Sie seine Aufmerksamkeit durch eine gemeinsame
Interaktion (Spiel oder Übungen), die ihm Freude bereitet. Später gilt es, die Zeit
auszudehnen, die Ihr Hund den Verband oder Schuh trägt und gleichzeitig die
Hilfestellungen (Ablenkungsmaßnahmen und Belohnungen) abzubauen. Halten Sie ihn
hierbei anfangs immer im Blick, um notfalls eingreifen zu können, wenn er beginnt an
dem Verband oder Schuh zu lecken oder zu kauen.
